„Aalst ist unser.“ ; Antisemitismus im Aalster Karneval

Der Straßenkarneval in der belgischen Stadt Aalst steht seit 2010 auf der Liste der UNESCO für immaterielles Weltkulturerbe. Als im März 2019 ein Paradewagen antisemitische Stereotype und Klischees bediente, entschied die UNESCO, dem Ort diese Auszeichnung wegen rassistischer und antisemitischer Inhalte zu entziehen – ein bis dahin präzedenzloses Vorgehen. Nachdem zwischen 2005 und 2019 in bemerkenswerter Regelmäßigkeit nahezu alle vier Jahre antijüdische Bildsprache fester Bestandteil des Aalster Karnevalszuges war, trieb eine Karnevalsgruppe im Februar 2020 unter Missachtung aller kritischen... More ...

Author: Wetzel, Juliane
Document Type: book Part
Publication Date: 2022
Subjects: 900 Geschichte und Geografie / 320 Politikwissenschaft / 300 Sozialwissenschaften / Aalst/Belgien / Karneval / antisemitische Klischees / Holocausttrivialisierung / Vereinte Nationen / Antisemitismus / Aalst/Belgium / carnival / antisemitic stereotypes / holocaust trivialisation / UNESCO / antisemitism
Language: German
Permalink: https://search.fid-benelux.de/Record/base-26973780
Collection: BASE; Original Catalogue
Powered By: BASE
Link(s) : https://depositonce.tu-berlin.de/handle/11303/16807

Der Straßenkarneval in der belgischen Stadt Aalst steht seit 2010 auf der Liste der UNESCO für immaterielles Weltkulturerbe. Als im März 2019 ein Paradewagen antisemitische Stereotype und Klischees bediente, entschied die UNESCO, dem Ort diese Auszeichnung wegen rassistischer und antisemitischer Inhalte zu entziehen – ein bis dahin präzedenzloses Vorgehen. Nachdem zwischen 2005 und 2019 in bemerkenswerter Regelmäßigkeit nahezu alle vier Jahre antijüdische Bildsprache fester Bestandteil des Aalster Karnevalszuges war, trieb eine Karnevalsgruppe im Februar 2020 unter Missachtung aller kritischen und empörten Einwände die antisemitische Provokation auf die Spitze. Nicht nur die Kostüme waren in ihrer Aussage eindeutig, sondern auch die mitgeführten Utensilien sprachen eine klare antisemitische Sprache. Die Karnevalsgruppe hatte tief in der Mottenkiste antisemitischer Klischees gekramt und vieles von dem zutage gefördert, was an jahrhundertealten tradierten Stereotypen zu finden war und sie den Zeitläuften angepasst. Bereits im Jahr 2009 hatten sich Karnevalisten als ultra-orthodoxe Juden verkleidet. Mit ihren verbrämten großen Hakennasen, schwarzen Hüten sowie einem angehefteten Stern mit der Aufschrift „Jood“ sorgten sie auf dem berühmten, seit 600 Jahren veranstalteten Karnevalsumzug international für Aufsehen und Kritik. Holocausttrivialisierung, antisemische Stereotypen, symbolisiert durch Berge von Geld, weiße Ratten, Insektenkostüme, die an Kakerlaken erinnern, „Stürmer“-ähnliche Fratzen – kein antisemitisches Klischee wurde im Laufe der Jahre ausgelassen. Im Unterschied zu Aalst haben sich Karnevalisten des Umzugs im spanischen Campo de Criptana, die im Februar 2020 mit nationalsozialistischen Symbolen, SS-Uniformen und einem Menorah-Leuchter antisemitische Klischees bedienten, entschuldigt.